Darum geht Verschlüsselung uns alle etwas an

Während sich die Technik mit rasendem Tempo weiterentwickelt, ist es gleichzeitig unvermeidlich, dass es die Cyberkriminalität der Technik gleichtut. Eine Studie von IBM zeigt, dass 48% aller Datenlecks bösartige Attacken nach sich ziehen. Dies allein sind schon schlechte Nachrichten für Unternehmen, hinzu kommt, dass derartige Attacken in der Regel hohe Kosten nach sich ziehen. Angriffe auf Privatpersonen verursachen vielleicht nicht ganz so hohe Schäden, sind jedoch nicht minder nervenaufreibend. Laut BKA sind allein im Jahr 2015 Schäden in Höhe von mehr als 40,5 Millionen Euro entstanden. Ziemlich unheimlich, wenn man bedenkt, dass die Dunkelziffer vermutlich ungleich höher ist.

Information sind heute viral, sie verbreiten sich schnell über den ganzen Globus, sind jedoch meist ungeschützt unterwegs. Verschlüsselung liegt für die Mehrzahl der Internetnutzer immer noch nicht auf der Hand, insbesondere wenn es um sensible Informationen und Daten geht. Allerdings wird Verschlüsselung immer wichtiger, nicht nur für Unternehmen, sondern für tägliche Internetnutzer, wie du und ich. Persönliche Informationen wie Bank Daten, Familienbilder & Erinnerungen oder dieses eine pikante Selfie, das für jemand ganz bestimmtes bestimmt war. All dies geht wird heute spielend leicht in die Cloud geladen und ist dort nicht selten dem potenziellen Zugriff Dritter ausgesetzt. Genau dieses Horrorszenario ist einer der Gründe warum Verschlüsselung heute ein unverzichtbarer Schritt für alle Internetnutzer sein sollte.

Verschlüsselung ist der einfachste Weg um seine Daten zu sichern. Sie bietet Schutz für persönliche Informationen und Bilder, die eigene Surfhistorie, Internetsuchen und Downloads. Wenn wir es mal aus einer anderen Perspektive betrachten: du schließt deine Wohnungstür ja auch immer ab und dein Eigentum vor Einbrechern zu schützen. Warum also nicht deine Daten online verschlüsseln um dich vor virtuellen Einbrechern aka Hackern zu schützen?

Internetkriminalität hat eine höhere Wahrscheinlichkeit dich zu betreffen, als jede andere Form von Kriminalität. Ganz einfach, weil du im Netz nicht nur lokalen Kriminellen ausgesetzt bist, sondern weltweiten, professionellen Hacker. Zudem betrifft dich eine Cyberattacke sofort. Privatsphäre existiert eben nicht nur in deinen eigenen vier Wänden, sondern in jeglicher Art der Kommunikation, die du unternimmst. Deswegen ist Verschlüsselung nicht nur wichtig, sondern unabkömmlich.

Mittlerweile ist die verschlüsselte Kommunikation etwas populärer geworden. Insbesondere verschlüsselte Messenger erfreuen sich immer höherer Beliebtheit. Threema, Telegram und Signal gehörten zunächst zu den wenigen Anbietern, die eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung anboten. In diesem Jahr haben dann die beiden großen Anbieter WhatsApp und der Facebook Messenger nachgezogen. WhatApp verschlüsselt per Standart alle Nachrichten, eine Aktion von Nutzerseite ist nicht notwenig. Im Facebook Messenger muss ein "geheimer Chat" gestartet werden.

Trotz allem ist die Gefahr, dass die Verschlüsselung geschwächt wird, real. Regierungen, wie die der USA, versuchen Zugang zu verschlüsselten Geräten zu bekommen. Der Fall um Apple, das FBI und die Schüsse in San Bernadino hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Insbesondere die Forderung des FBI, eine Art Hintertür in der Verschlüsselung von Apple Geräten einzurichten, hat für kontroverse Debatten gesorgt. Der Smartphone-Pionier aus dem Silicon Valley hat die Forderungen des FBIs am Ende abgelehnt.

Die Regierungsbehörden betonen in ihrer Kommunikation stets, dass diese Maßnahmen der Allgemeinheit dienen und sie im Namen der Sicherheit aller handeln. Das erklärte Ziel: Kriminalität und Terrorismus stoppen bevor sie überhaupt zuschlagen können. Seit den brutalen Attacken in Paris im Herbst 2015, aber auch dem Amoklauf und Terrorverdacht diesen Jahres in München ist diese Vorgehensweise mehr und mehr akzeptiert worden. Mit der Überwachung aller, können Angriffe einzelner verhindert werden, so die Annahme. Einziges Problem: es gibt bis heute keine eindeutigen Beweise dafür, dass das Entschlüsseln bestimmter Nachrichten einzelner, dazu geführt hätte, diese schlimmen Taten zu verhindern.

Amit Yoran, Vorsitzender der RSA hat bereits zu Beginn diesen Jahres erklärt:

weakening encryption is solely for the ease and convenience of law enforcement when they are pursuing petty criminals. No credible terrorist or nation state actor would ever use technology that is knowingly weakened.

Verschlüsselungs[technologien] zu schwächen dient einzig und allein den Behörden, wenn sie Kleinkriminellen nachgehen. Kein ernstzunehmender Terrorist und keine staatliche Institution würde jemals eine Technologie nutzen, die bekanntermaßen Schwachstellen aufweist.

Dies unterstreichst, dass die Schwächung der Verschlüsselung am Ende nur einer Welt wie in "Big Brother" nützen würde, in der Überwachung alltäglich ist. Eine Realität, der wir näher als nie zu vor sind.

Die Debatte um Verschlüsselung ist für uns als Internetnutzer so wichtig, weil es um unser Recht auf Privatsphäre im Netz geht. Warum sollten Unternehmen oder Regierungen das Recht dazu haben unsere E-Mail, Fotos, Gedanken und Ideen zu lesen, anzusehen und aufzuzeichnen? Nichts. Genaus deswegen ist Verschlüsselung wichtig für jeden. Egal wo, egal wann.